aserbaidjan

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        ASERBAIDJAN

FLÄCHE: 86.600 qkm.

BEVÖLKERUNGSZAHL:
7.830.764 (2003).

BEVÖLKERUNGSDICHTE: 90,4 pro qkm.

HAUPTSTADT: Baku. Einwohner: 1.235.400 (2003).

SPRACHE: Amtssprache ist Aserbaidschanisch. Russisch wird ebenfalls gesprochen.

RELIGION: 90% Muslime (davon 65% Sunniten und 35% Schiiten); christliche Minderheiten.

Ortszeit: MEZ  +3 (UTZ +4)

STAATSFORM: Präsidialrepublik seit 1995. Verfassung von 1995. Parlament mit 125 Mitgliedern. Staatsoberhaupt: Präsident Ilham Alijew, seit 2003. Regierungschef: Artur Rasisade, seit 1996. Zum Territorium gehören das autonome Gebiet Nagorny-Karabach und die autonome Republik Nachitschewan, die eine eigene Legislative und Exekutive besitzen. Seit 1991 unabhängiger Teilstaat der GUS.

  Geschichte

Aserbaidschan ist seit frühester Zeit besiedelt und brachte bedeutende Kulturen hervor. Es gehörte zu verschiedenen Weltreichen und war unter dem Namen Albania bekannt.

Erste türkische Volksgruppen lassen sich im späteren Aserbaidschan seit dem 2. Jahrhundert nachweisen, als dort der frühhunnische Volksstamm der Az auftauchte. Dieser Volksstamm ist möglicherweise der Namensgeber des Gebietes, so dass Aserbaidschan Herrschaft der Az bedeutet. Eine andere Erklärung leite den Namen vom persischen Satz Land des Feuers ab, der sowohl auf die seit dem Altertum bekannten Petroleum-Vorkommen als auch auf den Zoroastrismus verweisen soll.

Im 3. Jahrhundert gehörte das Gebiet zum Hunnenreich des Attila, und bereits im 4. Jahrhundert lassen sich die Sabiren (ein alttürkisches Volk hunnischer Herkunft) in Aserbaidschan nachweisen - diese lagen in blutigen Stammeskriegen mit den benachbarten Chasaren und Kumanen.

Im Jahre 643 fielen die Araber in dieses Gebiet ein und führten es dem Islam zu - damit gehört Aserbaidschan zu den ältesten muslimischen Gebieten der Welt. Unter der Herrschaft des Kalifats kam die Provinz zu Wohlstand, der zu den den Plünderungszügen der Mongolen unter Dschingis Khan anhielt.

Im 12. Jahrhundert gehörte der Nordwesten des nachmaligen Aserbaidschan zum Königreich Georgien, während der Rest des Landes unter persischer Oberhoheit stand.

Im 13. Jahrhundert fielen die turko-mongolischen Horden des Dschingis Khan über Aserbaidschan her und es wurde nun dem mongolischen Weltreich eingegliedert. Nun ließen sich zahlreiche Mongolen in Aserbaidschan nieder, aber die mongolische Oberschicht war zu schwach, um sich zu behaupten - sie gingen in in der Folgezeit in den Aserbaidschanern auf.

Hulegu Ilchan, ein Enkel des großen Mongolenherrschers, begründete von Aserbaidschan aus, das berühmte Ilchanat. Dieses führte mit der benachbarten Goldenen Horde blutige Grenzkriege um das begehrte Georgien. Dabei waren die Ilchane mit der Nogaier Horde verbündet, die formal zur Goldenen Horde gehörte.

Im 15. Jahrhundert wurde das Ilchanat durch den usbekischen Tatarenherrscher Timur zerschlagen und Aserbaidschan fiel mit dem übrigen Persien an diesen.

Aserbaidschan geriet im Jahre 1514 an das benachbarte Osmanische Reich Selims und erst Abbas Schah I. konnte es im Jahre 1603 seinem Reich zurückgewinnen. Der lange und blutige Bruder-Krieg mit dem Osmanischen Reich geriet langsam auch zum Glaubens-Krieg: Wer von den jeweiligen Herrschern vertrat nun den "wahren Glauben"? War es der schiitische Schah Persiens oder Selim, der sunnitische Sultan des Osmanischen Reiches?

Im 16. und 17. Jahrhundert brachte die Dynastie der Safawiden dem Gebiet erneuten Reichtum.

Aufgrund seiner Lage an den Handelsrouten, die Europa mit Zentralasien und den Nahen Osten mit den Gebieten am Kaspischen Meer verbinden, war die Region zwischen den Russen, Persern und Ottomanen mehrere Jahrhunderte hindurch heiss umkämpft.

Im Jahre 1723 eroberte der russische Zar Peter der Große kurzfristig die Khanate von Baku und Derbent, welches sich in Daghestan befand.

Ab dem Jahre 1784 beherrschten die russischen Zaren bereits den Norden Aserbaidschans und im 6. Russisch-Türkischen Krieg (1804 - 1814) fielen die Khanate Gandscha (1804), Schirwan (1805), Karabach (1805), Scheki (1806), Kuba (1806) und Baku (1806) sowie das Khanat Talysch (1813) endgültig an Russland.

Als Folge des 7. Russisch-Persischen Krieges (1827/28) kamen noch die Khanate Nachitschevan (1828) und Jerewan (1828) hinzu. In den Friedensverträgen von Gülistan (1813) und Turkmenchay (10. Februar 1828), beendeten diese blutigen Grenzkriege um diese militärisch wie kulturell wichtige Landschaft: Im letztgenannten Vertrage wurde Aserbaidschan entlang der heutigen politischen Grenze zwischen Russland, dem Osmanischen Reich und Persien aufgeteilt.

Seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts begann man mit der Ausbeutung der Erdölfelder.

Nach dem Zusammenbruch des Russischen Zarenreiches wurde im Jahr 1917 die kurzlebige "Republik Groß-Aserbaidschan" (aserbaidschanisch: Büyük Azärbaycan Cumhuriyäti) gegründet, die formal von 1918 bis 1920 bestand, aber deren wirklicher Herrschaftsbereich sich nur auf das nördliche Aserbaidschan beschränkte. (1918-20 waren britische Besatzungstruppen im südlichen Aserbaidschan, während türkische Truppen das nördliche verwalteten; die Türken wurden allerdings als "Befreier" angesehen, da das Endziel der Republik die Vereinigung mit der Türkei war.) Der Versuch, zusammen mit Georgien und Armenien eine Transkaukasische Republik zu begründen, schlug jedoch fehl.

Im Januar 1920 wurde Aserbaidschan de facto von den Alliierten als unabhängiges Land anerkannt. Diese Unabhängigkeit wurde jedoch durch die Rote Armee im April 1920 beendet. In Aserbeidschan entsteht eine Sowjetrepublik, die im Jahre 1922 mit Georgien und Armenien zur Transkaukasischen Föderativen Sowjetrepublik zwangsvereinigt und in die UdSSR integriert wird. Bergkarabach und Nachitschewan wurden als Autonomes Gebiet bzw. Autonome Republik der Hoheit Aserbaidschans unterstellt (1923).

1936 wurde Aserbaidschan "selbständige" Sowjetrepublik der UdSSR.

1988/89 begann die langsame Trennung Aserbaidschans von der Sowjetunion und der bewaffnete Kampf um Berg-Karabach.

1989 verkündet der Oberste Sowjet in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku in Zusammenhang mit der Schwäche der UdSSR die Souveränität Aserbaidschans. Daraufhin kommt es zu einer Militärintervention russischer Truppen in Baku und anderen Teilen Aserbaidschans. Die sich anschließenden Kämpfe fordern viele Todesopfer. Ferner wird an der aserbaidschanisch-iranischen Grenze die Wiedervereinigung beider Landesteile verlangt.

Am 30. August 1991, nach dem gescheiterten Putschversuch in Moskau, rief Aserbaidschan die Unabhängigkeit aus und wurde Mitbegründer der GUS. Die kommunistische Partei löst sich auf und gründet mit der "Republikanischen Demokratischen Partei" ihre Nachfolgepartei.

1992 beginnt der offene Krieg mit Armenien um Berg-Karabach, den die Türkei offen mit Waffenlieferungen an Aserbaidschan unterstützt. Im Sommer treffen sich in Ankara die Vertreter Aserbaidschans mit den turkvölkischen Staatsvertretern Zentralasiens: Dort wird beschlossen, für alle turkvölkischen Republiken bis 2005 ein einheitliches Alphabet - nach Vorbilde des Türkeitürkischen - zu schaffen, daß dann die türkischen Minderheiten der übrigen GUS dieses bis spätetestens 2010 zu übernehmen hätten.

Am 30. Juni 1992 wird der ehemalige Geheimdienstler und KP-Chef Geidar Alijew zum Präsidenten gewählt und dieser benennt die kommunistische Staatspartei in "Neues Aserbaidschan" um. Alijew bemüht sich um gute Beziehungen zu Russland, der Türkei und den USA, aber auch um gute Nachbarschaft mit dem Iran. Im Dezember 1992 tritt Aserbaidschan aus der GUS aus und nimmt einen Beobachterstatus ein.

2002 wird Ilham Alijew zu Nachfolger seines Vaters bestimmt und bei Wahlen 2003 überwiegend vom Volk bestätigt.

Politik

Aserbaidschan ist eine Präsidialdemokratie mit einem Ein-Kammer-Parlament. Die Verfassung wurde am 12. November 1995 verabschiedet.

Das aserbaidschanische Parlament, die Nationalversammlung (Milli-Meclis) hat 125 Sitze, die nach einem gemischten Proportional- und Mehrheitswahlsystem für eine Periode von 5 Jahren gewählt werden. Ein Parlamentssitz wird für den Wahlkreis Berg-Karabach (Nagorny-Karabach) freigehalten. Das Parlament wurde am 5. November 2001 für fünf Jahre gewählt.

Staatsoberhaupt ist der Präsident, der in geheimer, allgemeiner Wahl für die Periode von 5 Jahren gewählt wird. Staatspräsident ist Ilham Alijew, Sohn des zuvor verstorbenen Staatspräsidenten Geidar Alijew. Er wurde am 15. Oktober 2003 mit über 80% der Stimmen gewählt und wurde am 31. Oktober 2003 inauguriert.

Ministerpräsident ist seit dem 4. November 2003 Artur Rasizade von der Präsidentenpartei Neues Aserbaidschan.

Die Opposition warf der Regierung bei den Präsidentenwahlen im Oktober 2003 Wahlbetrug vor. Internationale Wahlbeobachter (unter Anderem von der OSZE) berichteten von Fälschungen und Einschüchterungsversuchen. Nach Bekanntgabe des Ergebnisses kam es am 16. Oktober in der Hauptstadt Baku zu Unruhen, bei denen mindestens zwei Menschen getötet, viele verletzt und mehrere Oppositionspolitiker festgenommen wurden.

Mitgliedschaften in internationalen Institutionen: UNO, GUUAM, GUS, Europarat, OSZE, IWF, EBRD, Weltbank, Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation, OATCT, CENTO.

Der Konflikt mit Armenien

Aserbaidschan befindet sich seit der Unabhängigkeit in einem anfangs kriegerischen Konflikt mit Armenien um die Region Berg-Karabach im Westen des Landes. Bis heute sind dieses Gebiet und angrenzende Regionen von armenischen Truppen besetzt.

 Begriffserklärung Aserbaidjan

Der Begriff Aserbaidschan kann folgende Bedeutungen haben:

  1. Ein Landschaftsname der im Wesentlichen ein Gebiet beschreibt, das aus Nord- und Süd-Aserbaidschan besteht.
  2. Die Republik Aserbaidschan, die auch als Nord-Aserbaidschan bekannt ist.
  3. Süd-Aserbaidschan oder Persisch-Aserbaidschan als Teil des Iran.
  4. West-Aserbaidschan (historisch), welches auf dem Gebiet des heutigen Ostanatoliens bestand.

 

 

 

 

 

 



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